Carl Dietrich von Trotha (1907-1952)

Carl Dietrich von Trotha kam am 25. Juni 1907 in Kreisau als erster Sohn des Generalmajors Dietrich von Trotha und seiner Frau Margarete, geborene von Moltke, zur Welt. Er verbrachte seine Kindheitsjahre gemeinsam mit seinem Vetter Helmuth James von Moltke in Kreisau.

Nach dem frühen Tod des Vaters prägten ihn die christlich-liberalen Anschauungen der Mutter. Schon als Schüler schloß er sich der Pfandfinderbewegung an und nahm an ausgedehnten Fahrten in die Länder Südosteuropas teil. Die Erfahrungen und Eindrücke dieser Reisen beeinflußten seine Anschauungen nachhaltig. Bereits in seiner Jugend reifte der europäische Einigungsgedanke.

Von 1925 bis 1929 studierte Trotha Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Sein starkes sozialpolitisches Engagement drückte sich unter maßgeblichem Einfluß und in Zusammenarbeit mit Eugen Rosenstock-Huessy in der Begründung der schlesischen Arbeitslagerbewegung aus, die den sozialen Problemen seiner schlesischen Heimat gewidmet war. Gemeinsam mit Horst von Einsiedel, Moltke und Hans Peters bereitete er die ersten freien Arbeitslager für Arbeiter, Bauern und Studenten vor.

Nach dem juristischen Examen vertiefte er seine wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Studien. Stark beeindruckt war er dabei von dem religiösen Sozialisten Adolf Löwe und von Max Horkheimer. Er schloß sich der „Roten Studentengruppe“ an und wurde zum überzeugten Anhänger einer staatlichen Wirtschaftslenkung.

1933 heiratete er die Kommilitonin Margarete Bartelt, die Tochter des Oberbürgermeisters von Wilhelmshaven. Im gleichen Jahr trat er in den Dienst des Reichswirtschaftsministeriums ein, wo er schnell Kontakt zu Gleichgesinnten aufnahm. Er war ein überzeugter Gegner des Nationalsozialismus und nutzte seine offizielle Stellung dazu, gefährdete Freunde und jüdische Bekannte zu decken und ihnen zu helfen. Er hielt dabei engen Kontakt zu seinem Freund Einsiedel, den er schon seit der Studienzeit kannte. Gemeinsam standen sie in Verbindung mit Arvid von Harnack und Harro Schulze-Boysen. Seine persönliche Gesinnung ließ für ihn keine Konzessionen gegenüber den Nazis zu: Trotha half Regimegegnern, holte Gleichgesinnte in sein Ministerium, vermied den Hitlergruß und verweigerte hartnäckig und erfolgreich das Anbringen des damals üblichen Hitlerbildes in seinem Amtszimmer.

Seit 1938 arbeitete Trotha mit Moltke zusammen und trug gemeinsam mit seiner Frau Maßgebliches zur wirtschaftspolitischen Diskussion des Kreisauer Kreises bei. Zusammen mit Einsiedel verfaßte er die Denkschrift „Die Gestaltungsaufgaben der Wirtschaft“.

Viele Treffen der Kreisauer Wirtschaftsfachleute fanden in der Wohnung der Trothas statt. Gemeinsam mit Haubach und Mierendorff wurden die Kreisauer Wirtschaftspläne mit den Vertretern der illegalen Gewerkschaftsführung um Wilhelm Leuschner und Hermann Maaß beraten und abgestimmt. Besonders eng war auch hier Einsiedel eingebunden.

Nach dem 20. Juli blieb Trotha unentdeckt und entging einer Verfolgung - möglicherweise wegen der Namensähnlichkeit mit Trott.

Nach dem Krieg übernahm er im Berliner Magistrat das Referat Energiewirtschaft, später wechselte er in die Zentralverwaltung. In der von Theodor Steltzer begründeten überparteilichen Gesellschaft „Mundus Christianus“ versuchte er, als wissenschaftlicher Sekretär an die Kreisauer Ideen anzuknüpfen.

1948 arbeitete Trotha an der Vorbereitung der Weltkirchenkonferenz in Amsterdam mit und nahm in den folgenden Jahren an verschiedenen ökumenischen Tagungen teil. Er war Mitbegründer und zeitweise Vorsitzender der Europa-Union Berlin und wirkte für ein vereinigtes Europa bei den Straßburger Versammlungen.

Bis zu seinem Unfalltod in den USA im Jahre 1952 lehrte er an der Deutschen Hochschule für Politik in Berlin.