Otto Heinrich von der Gablentz (1898-1972)

Der Offizierssohn Otto Heinrich von der Gablentz wurde am 11. September 1898 in Berlin geboren. Seine Jugendjahre waren geprägt durch die Traditionen des pommerschen Pietismus auf väterlicher und des national-liberalen Calvinismus auf mütterlicher Seite.

Nach dem Notabitur 1915 wurde er als Fahnenjunker im Ersten Weltkrieg schwer verwundet. 1917 kehrte Gablentz nach Berlin zurück und begann das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften mit Schwerpunkt der Volkswirtschaftslehre. Neben einer engen Verbindung zur Jugendbewegung lernte er während des Studiums den „konservativen Sozialismus“ kennen und engagierte sich mehr und mehr auch im Kreis der Religiösen Sozialisten um Paul Tillich.

1920 schloß er sein Studium mit der Promotion im Fachgebiet Volkswirtschaftslehre in Freiburg im Breisgau ab. Ab 1925 fand er eine Anstellung im Statistischen Reichsamt in Berlin, die ihn in enge Verbindung zum Reichswirtschaftsministerium brachte.

Im kirchlichen Bereich schloß er sich der Evangelischen Michaelsbruderschaft an, durch die er Theodor Steltzer kennenlernte. 1929 nahm er als Referent an einer Tagung der schlesischen Arbeitslagerbewegung teil.

Auf Betreiben der NSDAP wurde Gablentz nach der Machtergreifung der Nazis von seiner Position im Reichswirtschaftsministerium entfernt und war ab 1935 - gemeinsam mit Horst von Einsiedel - in der Reichsstelle Chemie tätig.

Nachdem Gablentz durch die Vermittlung Einsiedels Moltke näher kennenlernte, arbeitete er seit 1940 im engeren Kreisauer Kreis mit. Er nahm an den Anfangsgesprächen des Kreises über allgemeine Fragen der Staatslehre, insbesondere der Wirtschafts- und Verfassungsfragen, teil. Hier trat er für einen Mittelweg zwischen dem ökonomischen Liberalismus und der marxistisch geprägten Planwirtschaft ein.

Auf Grund seiner ökumenischen Kontakte stellte er die Verbindung zum Weltkirchenrat in Genf her. Bereits 1937 war Gablentz, in Abstimmung mit Gerstenmaier, an der Vorbereitung der Weltkirchenkonferenz in Oxford beteiligt.

Nach dem 20. Juli 1944 konnte Gablentz einer Verfolgung durch die NS-Behörden entgehen, da sein Name bei den Nachforschungen der Gestapo unentdeckt blieb.

1945 war er gemeinsam mit Steltzer, van Husen, Lukaschek und anderen Mitbegründer der CDU in Berlin. Er war als politischer Publizist tätig und gehörte dem Rat der Evangelischen Kirche an. Nachdem er sich 1949 an der Freien Universität Berlin habilitiert hatte, lehrte er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1966 als Professor für politische Wissenschaft. Zeitweilig war er Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät und Institutsdirektor. 1965 trat er aus der CDU aus, der er mangelnde innere Reformbereitschaft vorwarf.

Am 27. April 1972 starb Otto Heinrich von der Gablentz in Berlin.