Julius Leber (1891-1945)

„Für eine so gute und gerechte Sache ist der Einsatz des eigenen Lebens der angemessene Preis. Wir haben getan, was in unserer Macht gestanden hat. Es ist nicht unser Verschulden, dass alles so und nicht anders ausgegangen ist.“ Diese Worte hinterließ Julius Leber seinen Freunden, bevor er am 5. Januar 1945 ermordet wurde.

Am 16. November 1891 in Biesheim, einem kleinen Dorf im Oberelsass, geboren, wuchs Julius Leber in proletarisch-kleinbäuerlichen Verhältnissen auf. Der Stiefvater war Maurer im Tagelohn, die Mutter entstammte einer Kleinbauernfamilie.

Er verdankte es der Fürsprache des Ortsgeistlichen, dass er nach der Dorfschule eine weiterführende Schule besuchen konnte. Nach der Mittleren Reife absolvierte er eine kaufmännische Lehre in einer Tapetenfabrik. Ab 1910 konnte Leber, unterstützt durch ein Stipendium, erneut die Schule besuchen. Seinen Lebensunterhalt verdiente er durch Nachhilfestunden und Zeitungsberichte, die er verfasste. 1912 legte er sein Abitur ab und begann das Studium der Volkswirtschaftslehre und Geschichte in Straßburg und Freiburg i.Br. 1913 trat er in die SPD ein.

Im August 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger und wurde als Frontoffizier mehrfach ausgezeichnet.

Nach dem 1. Weltkrieg war er als Reichswehroffizier bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches im März 1920 beteiligt. Im gleichen Jahr beendete Leber sein Studium mit der Promotion zum Dr. rer. pol.

Im März 1921 wurde er Chefredakteur der sozialdemokratischen Zeitung „Lübecker Volksbote“ und wurde noch im gleichen Jahr in die Lübecker Bürgerschaft und im Mai 1924 in den Reichstag gewählt. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte er sich zu einer zentralen Gestalt der norddeutschen Arbeiterschaft und der Lübecker Sozialdemokratie. Er trat konsequent den totalitären Parteien entgegen und bekämpfte sie in Wort und Tat.

„Wenn es gilt, um die Freiheit zu kämpfen, fragt man nicht, was morgen kommt“, rief Julius Leber am 16. Januar 1933 den Lübecker Arbeitern in einer Massenversammlung zu. Bereits kurz nach der Machtergreifung der Nazis, am 1. Februar 1933, wurde Leber verhaftet. Doch nach Protestkundgebungen und Streiks der Lübecker Arbeiterschaft kam er noch einmal frei. Am 19. Februar trat er, das verletzte Auge mit einer Binde verdeckt, nochmals in einer Massenversammlung in Lübeck vor 15.000 Menschen auf.

Am 23. März wurde er erneut festgenommen und über vier Jahre in den Gefängnissen und KZ’s der Nazis gefangen gehalten, unter anderem fast drei Monate lang im berüchtigten „Zellenbau“ des Lagers Sachsenhausen. Die Nazis versuchten, seine aufrechte Haltung durch Isolation und Dunkelarrest, ohne Pritsche, Stuhl, Beschäftigung, Hofgang und warmes Essen zu brechen. „Sogar bei 18 Grad Kälte“, berichtete seine Frau Annedore später, die er 1922 geheiratet hatte, „lag er Nachts über ohne Decke, Stroh oder Mantel auf nacktem Boden.

Unermüdlich bemühte sich seine Ehefrau um die Entlassung, doch erst im Mai 1937 kam er frei. Mit Hilfe seines Freundes und späteren Mitverurteilten Gustav Dahrendorf gelang es Julius Leber, sich als Teilhaber einer Kohlenhandlung in Berlin eine zivile Existenz und eine Tarnung für seine politische Arbeit zu schaffen. (Den Unterhalt für die Familie verdiente in dieser Zeit seine Ehefrau aus Schneiderin.) Theodor Heuss, der spätere Bundespräsident, berichtete über diese Zeit: „Die zwei kleinen Zimmer in dem fragwürdigen Häuschen zwischen den Kohlenbergen waren eine rechte Verschwörerbude. Manchmal klingelte es an der äußeren Tür, und Leber musste dann wohl in den vorderen Raum, um einen Kunden zu vertrösten. Aber in der Hinterstube, auf verhockten Sesseln, hatte die politische Leidenschaft ihre Herberge.“

1943 kam Julius Leber über Carlo Mierendorff in engeren Kontakt zum Kreisauer Kreis. Nach Mierendorffs Tod rückte er schnell in eine zentrale Position der Kreisauer und vor allem die Freundschaft mit Trott und Stauffenberg ließen ihn aktiv an den Vorbereitungen für den Staatsstreich teilhaben. Nach dem gelungenen Umsturz sollte Leber Innenminister oder Reichskanzler werden.

Im Sommer 1944 nahm er gemeinsam mit Adolf Reichwein Kontakt zu einer kommunistischen Widerstandsgruppe auf, wurde denunziert und am 5. Juli 1944 verhaftet. Dies war ein schwerer Schlag für die deutsche Widerstandsbewegung. Stauffenberg hielt nun umso entschiedener an seinem Entschluss zum Attentat auf Hitler fest: „Wir brauchen Leber, ich hole ihn raus!“

Nach dem 20. Juli 1944 wurde Julius Leber von der Gestapo furchtbar misshandelt, um Aussagen über die Vorbereitungen des Attentats auf Hitler zu erzwingen.

Am 20. Oktober fand die Verhandlung vor dem Volksgerichtshof statt. Gemeinsam mit Reichwein und Hermann Maass wurde Leber zum Tod durch den Strang verurteilt und am 5. Januar 1945 in Plötzensee ermordet.