Gedenkstätte für Widerstand und Opposition

Die Arbeit der Gedenkstätte

Die Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung ist ein Ergebnis des politischen Umbruchs von 1989 und des langjährigen Versöhnungsdialoges zwischen Polen und Deutschen. Vor diesem Hintergrund gehören für uns die verschiedenen nationalen Formen von Widerstand und Opposition gegen die Diktaturen des 20. Jahrhunderts zu den Grundlagen des modernen demokratischen Europa. Wir setzen uns dafür ein, dass dies künftig stärker als bisher als eine gemeinsame verbindende Tradition anerkannt wird.

Krzyżowa, das früher Kreisau hieß, ist ein Ort, an dem eine der Gruppen des deutschen Widerstands gegen den Nationalsozialismus tätig war. Dieser Ort liegt in Schlesien, das als Folge des Zweiten Weltkrieges heute Teil des polnischen Staates ist und früher deutsch war. Wir halten daher den Ort Krzyżowa für besonderes geeignet, zwischen verschiedenen Kulturen zu vermitteln.

Ausgangspunkt für unsere Gedenkstättenarbeit in Krzyżowa sind der Widerstand des Kreisauer Kreises gegen die Nationalsozialisten in Deutschland und die Oppositionsbewegungen gegen den Kommunismus in Polen und anderen europäischen Ländern. Auch die Beziehungen zwischen der demokratischen Opposition in Polen und der DDR sowie die polnische Untergrundtätigkeit während des Zweiten Weltkrieges werden berücksichtigt. Wir sind uns jedoch bewusst, dass wir mit der Integration unterschiedlich gewachsener Kulturen in einer gemeinsamen Gedenkstätte methodisches Neuland betreten.

Die Gedenkstätte Krzyżowa-Berghaus ist ein zentrales Projekt der Stiftung. Sie arbeitet eng mit der Internationalen Jugendbegegnungsstätte und der Europa-Akademie zusammen.

Die historischen Voraussetzungen

Mit der Errichtung und dem Betrieb einer Gedenkstätte in Krzyżowa haben wir uns die Aufgabe gestellt, den Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die Opposition gegen den Kommunismus in Mittel- und Osteuropa als zwei Manifestationen einer europäischen Widerstandstradition aufeinander zu beziehen und die bleibende Bedeutung dieser Tradition für die politische und gesellschaftliche Zukunftsgestaltung herauszuarbeiten.

Dieses Grundverständnis entspringt jedoch nicht irgendeiner vorausgesetzten geschichtsphilosophischen Konstruktion wie z.B. der Totalitarismustheorie, sondern ist für unser Projekt selbst bereits ein zeitgeschichtliches Faktum. 1988 fanden Oppositionelle aus Polen und der DDR im Kreisauer Kreis einen Punkt, auf den sie sich gemeinsam beziehen konnten. Dabei waren die Beweggründe im einzelnen unterschiedlich. Für Polen stand die Beschäftigung mit Kreisau im Zusammenhang mit der Entdeckung und Aneignung der lange verschwiegenen deutschen Vergangenheit Schlesiens und der anderen ehemaligen deutschen Gebiete. Im Kreisauer Denken entdeckte man darüber hinaus Parallelen zum "Ethos der Solidarität". In der DDR war die oppositionelle Anknüpfung an den Widerstand ein Angriff auf den Ursprungsmythos der DDR als Erbe des "besseren Deutschland". Eine wesentliche Bedeutung für beide Oppositionsbewegungen hatten darüber hinaus sowohl die christlichen Wurzeln der Ideen als auch der Geist der ökumenischen Zusammenarbeit des Kreisauer Kreises. Polen und Deutschen war gemeinsam, dass sie im Denken und Handeln der Kreisauer eine Spiegelung ihres eigenen Strebens sahen, die Zukunftsgestaltung in ihre eigenen Hände zu nehmen. Schließlich bot damals die Beschäftigung mit dem Kreisauer Kreis beiden Seiten die Möglichkeit, gemeinsam Beziehungen zu ähnlich denkenden Westeuropäern herzustellen.
Mit der Anknüpfung an den deutschen Widerstand war es möglich, noch vor dem Umsturz des Jahres 1989 eine West- und Mitteleuropäer umfassende Initiative zu gründen, die es sich zur Aufgabe machte, gemeinsam Antworten auf den sich abzeichnenden Zusammenbruch des Kommunismus zu suchen. Sie stellte damals jenen Referenzpunkt dar, auf den wir uns beziehen konnten, als es darum ging, die unterschiedlichen Interessen zu integrieren und gemeinsame Ziele zu formulieren.

Die Auseinandersetzung mit dem Kreisauer Kreis in der Umbruchszeit seit 1989 gab erstens einen Maßstab für die Aufgaben ab, die die Reformgesellschaften zu bewältigen haben würden. Der offene Charakter des Kreisauer Kreises bot zweitens ein Vorbild für ein integratives, verschiedene gesellschaftliche und politische Optionen berücksichtigendes Vorgehen. Die europäische Ausrichtung verhinderte drittens eine mentale Renationalisierung. Die pädagogische Orientierung des Kreisauer Programms war viertens ein Hinweis auf die Bedeutung der politischen Erwachsenen- und Jugendbildung für den dauerhaften Erfolg gesellschaftlicher Umgestaltungen.

Unsere Zielgruppen

Die Gedenkstätte Krzyżowa-Berghaus wendet sich mit ihrer interkulturellen historisch-politischen Bildungsarbeit an verschiedene Nutzer und Interessenten. Unsere Informations- und Arbeitsangebote richten sich z.B. an die Gruppen und Gäste der Internationalen Jugendbegegnungsstätte und der Europa-Akademie sowie an Tagesbesucher. Außerdem kooperieren wir gezielt mit Institutionen im In- und Ausland, wobei die Multiplikatoren der historisch-politischen Bildungsarbeit im schulischen ebenso wie im außerschulischen Bereich für uns eine besonders wichtige Zielgruppe darstellen. Die Gedenkstätte Krzyżowa-Berghaus lädt ihre Besucher zu einem entdeckenden, kritischen, reflektierenden und gestalterischen Umgang mit Geschichte ein. Wir wollen vermitteln, dass Geschichte nicht nur Vergangenheit ist, sondern in den Entscheidungen der lebenden Generationen fortwirkt. Unserer Ansicht nach stehen Menschen jeder Generation vor der Aufgabe, gesellschaftliche Umbrüche zu meistern. Personen, die früher Widerstand geleistet haben, waren keine Helden, sondern Menschen, die damals genau so angesprochen waren, wie wir es heute und in Zukunft sind.

Die Gedenkstätte Krzyżowa-Berghaus ermöglicht es, sich in Gruppen oder individuell mit den Biographien und Ideen dieser Menschen auseinanderzusetzen, die Geschichte betroffener Länder aus verschiedenen nationalen Perspektiven kennenzulernen und sich historische Erfahrungen anderer Kulturen zu eigen zu machen. Zu diesem Zweck sammeln wir entsprechende Materialien, bereiten diese auf und führen mit ihrer Hilfe Veranstaltungen zu historischen sowie aktuellen Themen durch. Darüber hinaus betreuen wir aber auch Projekte Dritter wie z.B. Studienaufenthalte oder Praktika. Der Arbeit mit den neuen Medien und der Vermittlung von Methodenkompetenz messen wir bei unserer Tätigkeit einen besonderen Stellenwert zu.

Kontakt

Dominik Kretschmann
Leiter der Gedenkstätte
Tel: +48 74 85 00 251
Fax: +48 74 85 00 305

Weitere Informationen

finden Sie auf der Internetseite unter
www.krzyzowa.org.pl

Gedenkraum im Berghaus Kreisau
Gedenkraum im Berghaus Kreisau