Haftbefehl gegen Moltke u.a.

Berlin, den 11. Oktober 1944

Der Ermittlungsrichter
des Volksgerichtshofes OJ 21/44 gRs.
181/44 556

HAFTBEFEHL

1. Der am 11. März 1907 geborene frühere Rechtsanwalt Graf Helmuth von Moltke aus Berlin-Lichterfelde-West

2. der am 15. September 1896 geborene kaufmännische Angestellte Dr. Theodor Haubach aus Berlin-Grunewald

3. der am 25. Aug. 1906 geborene Konsistorialrat Dr. Eugen Gerstenmaier aus Berlin-Dahlem

4. der am 17. Dez. 1885 geborene frühere Oberstleutnant Theodor Stelzer aus Hamburg

5. der am 11. Febr. 1878 geborene Oberst und Gesandte a.D. Franz Sperr aus München

6. der am 28. Juni 1889 geborene frühere Rechtsanwalt Dr. Franz Reisert aus Augsburg

7. der am 26. Okt. 1895 geborene Großlandwirt Josef-Ernst Fürst Fugger von Glött aus Kirchheim i/Bayern

sind zur Untersuchungshaft zu bringen.

Sie werden beschuldigt, gemeinschaftlich es unternommen zu haben, mit Gewalt die Verfassung des Reiches zu ändern und den Führer seiner verfassungsmäßigen Gewalt zu berauben und damit zugleich im Inland während eines Krieges gegen das Reich der feindlichen Macht Vorschub zu leisten.

Verbrechen nach §§ 80 Abs. 2, 81, 91b, 73, 47 StGB.

Sie haben im Inland und zwar von Moltke bis zu seiner Festnahme im Januar 1944, Dr. Haubach, Dr. Gerstenmaier, Stelzer und Sperr bis zum Sommer 1944, Reisert und Fürst Fugger von Glött im Jahre 1943 zusammen mit anderen es unternommen, die nationalsozialistische Regierung nötigenfalls mit einer gegen den Führer gerichteten Gewalttat zu stürzen, um sich selbst oder ihre Gesinnungsgenossen in den Besitz der Macht zu bringen.

Die Untersuchungshaft wird verhängt wegen Fluchtverdachts, weil mit hoher Strafe bedrohte Verbrechen den Gegenstand der Untersuchung bilden.

Gegen diesen Haftbefehl ist das Rechtsmittel der Beschwerde zulässig, die besonderer Zulassung bedarf.

gez. Dr. Ehrlich, Landgerichts-Dir.

 

An Herrn
Dr. Franz Reisert
dch. den Vorstand des
Zellengefängnisses Lehrterstraße
Berlin NW Lehrterstr.

Quelle:
Ger van Roon: Neuordnung im Widerstand (München 1967), S. 594-595

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