Moltke an Einsiedel

15.7.40

1.

Wir haben bei unserer letzten Unterhaltung über die Formulierungen meines Schreibens vom 17.6.40 gesprochen und soweit ich mich erinnere, hast Du insbesondere die Formulierungen zu 2d und 3 angegriffen und 4 für nicht ganz ausreichend erklärt.Du warst der Meinung, daß man aus 2d oder 3 den Eindruck gewönne, als behielte ich Herrschaftsverhältnisse von Mensch über Mensch für die politische Sphäre vor in der Absicht, die Wirtschaft möglichst weit außerhalb des Staatsrahmens zu lassen.

„Nichtfunktionelle Herrschaftsverhältnisse von Mensch über Mensu schaffen“?

zwisen beiden Sphären liegt die des Verwaltungsermessens, in der der Wirtschaftsbeamte gestaltend entscheidet und in der der Eind der Unternehmer von diesen Beamten abt. Ich schlage demnach folgende Formulierung von Ziffer 3 vor:

„Zweck der wirtschaftlichen Betätigung muß es sein, den Einzelmenschen freier zu machen,die Natur erhebt, nicer, ihn unfreier zu machen, indem an die Stelle eiängigkeit von Sachen auf dem Gebiete der Erhaltung seines Wirtschaftsraumes eine solche von Menschen tritt, sei es von Unternehmern, sei es von Beamten.“

ll ivorschlagen, unverändert zu lassen. Die Frage, die dabei offen bleibt, ist, an welcher Stelle die Mittel für die höhere Betätigung anfallen, ob bei dem Einzelnen, dem Unternehmer, der Wirtschaftsbürokratie oder den politischen Instanzen. Es ist m.E. eine Frage, die ins Gebiet der Politik gehört, wem die Verfügung über diese Mit, eine Frage also, die nicht hierher gehört. Zur Erläuterung will ich nur anführen, daß ich meiner ganzen Einstellung entsprechend dafür wäre, diese Mittel an drei Stellen anfallen zu lassen: bei dem Einzelnen, bei Selbstverwaltungskörperschaften und bei der höchsten politischen Instanz, aber keinesfalls bei den Unternehmern oder der Bürokratie.

2.

in dafürs Programm verfolgen:

a) die Formulierungen noch einmal Wort für Wort durchzugehen, um zu klaren B. Ich mißtraue allen bildhaften Darstellungen, weil sie meist mehr vermitteln als sie beinhalten und weil man nie gewe unter deerstehenkann a Bilder nicht verzichten, sobald man etwas popularisieren will oder muß; man sollte aber zu Bildern erst greifen, wenn das Gerippe der Begriffe steht. Deswegen betrachte ich es als meine Pflicht, die Begriffe zu klären.

<page wäre noch zu klären, ob das Verhältnis des Einzelnen zur Wirtschaft in meinen Formulierungsvorschlägen eigentlich erschöpfend dargestellt ist. Bitte, kontrolliere das nach.</p>

b) Wenn wir uns über die Formulierungen geeinigt haben und uns darüber ganz klar sind, ist es m.E. unsere nächste Aufgabe, diese Formulierungen zu begründen und ihren Unterschied zu den wichtigsten Lehrmeinungen heraus-zuarbeiten.

c) Neben dieser Arbeit müssen wir zugleich die praktischen Schlußfolgerungen aus diesen Formulim Wirtschaftsapparat notwendig (essentiell) sind, welche wünschenswert, welche schädlich und welche, bestehende oder geplante, unter allen Umständen zu beseitigen.

c) fertiggestellt sind, sollte es uns gelungen sein, selbst zur Klarheit durchzudringen.

Wollen wir diese beiden Punkte in nächster Zeit erörtern.

Stets Dein,

Quelle:
Ger van Roon: Neuordnung im Widerstand (München 1967), S. 485-486

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