20 Jahre Kreisau-Initiative Berlin e.V.
von Annemarie Cordes
Die großen Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag haben wir zusammen mit der Stiftung Kreisau in Polen begangen. Anlässlich des 20. Jahrestags der KIK-Konferenz im Juni 1989 und der europäischen Bürgerbewegung von unten, die das Neue Kreisau zum Leben erweckte, haben wir vom 5.-7.Juni mit allen gefeiert, die zu Kreisau gehören, mit interessanten Podiumsdiskussionen, georgischer Jazzmusik, dem Barlach-Theaterprojekt vom Melchiorsgrund, den Jugendlichen bei der Rockmusik ... bei ausgelassener und bester Stimmung trotz Kälte und Regen. Am 12. November leitete Bischof Nossol wie vor 20 Jahren die große katholisch-ökumenische Versöhnungsmesse in Kreisau, in Anwesenheit von Tadeusz Mazowiecki und Helmuth Caspar von Moltke, mit einer Direktübertragung im polnischen Fernsehen.
Die Kreisau-Initiative Berlin hat ihren 20. Geburtstag, die mit einem ersten Spendenaufruf im Oktober 1989 ihre Verbindung zum Neuen Kreisau / Krzyżowa in Polen begründete, im eher kleinen Rahmen am 28. November 2009 in der Berliner Jugendbildungsstätte Haus Kreisau gefeiert, im schön restaurierten alten Bootshaus mit weitem Blick auf die Havel. Die vier anwesenden Vorstandsmitglieder machten einen kurzen Streifzug durch je fünf Jahre Geschichte und Vereinsgeschichte, in der Reihenfolge ihres Einstiegs in den Vereinsvorstand. In einer abschließenden Podiumsdiskussion wurde mit den Gästen aus Kreisau über die Zukunftsperspektiven der Entwicklungen in Krzyżowa / Kreisau nachgedacht.
Aus Kreisau waren Annemarie Franke, Katarzyna Młynczak und Monika Szurlej angereist, mit einer polnischen Geburtstagstorte, die uns 100 Jahre wünschte, und einem großen Bild von Hanna Emelianova (Minsk/Belarus) aus der Werkstatt des Kreisauer Kunstsommers, das die Verbundenheit zwischen der Kreisau-Initiative und der Stiftung Kreisau ausdrückt. Agnieszka von Zanthier hielt die Laudatio. Den Rahmen ihrer nachdenklichen, liebevoll-kritischen Worte bildete das Eingangszitat von Gesine Schwan aus Anlass des Marion-Dönhoff-Preises 2007:
„… bei aller Ansprache des ganzen Menschen, die auch in Kreisau gewollt ist, verlangt (…) der Perspektivwechsel im Dienste der Verständigung und der Versöhnung die Fähigkeit, sich selbst mit Abstand zu betrachten. Die(se) Selbstdistanzierung (….) ist nicht leicht, sie erfor¬dert den Verzicht darauf, immer schon im Recht gewesen zu sein, bringt aber dafür das Geschenk mit sich, im Anderen, auch im Fremden das Gemeinsame zu entdecken und dadurch teilzuhaben an einer universalen Wertegemeinschaft, die nicht in den Dienst von Hass und Zerstörung gestellt werden kann.
Hier liegen die Früchte der Kreisau-Initiative Berlin, die mit Händen zu greifen sind. Aber es erfordert viel Engagement, Einfallsreichtum und vor allem Durchhaltevermögen, um sie zu säen, die Sprösslinge zu pflegen und die Früchte schließlich zu ernten.“
Und Agnieszka von Zanthier beendete ihre Rede dann mit den Worten:
„Bei einer Laudatio pflegt man darauf hinzuweisen, wofür der Preis verliehen wird. Die Theodor-Heuss-Medaille bekam die „europäische Kreisau-Initiative“ für das Bemühen, „vor der Mühsal der Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen, Polen und Deutschen nicht zu kapitulieren, vielmehr im historischen und politischen europäischen Kontext neue erfahrbare Ansätze dafür zu schaffen“. Schon damals dachte man im Übrigen Krzyżowa und die es unterstützende Initiativen gemeinsam – nicht in Konkurrenz zueinander, nicht als ein Partner unter vielen, sondern als ein gemeinsames großes zusammen¬hängen¬des Werk. Den Preis an ‚Menschen, die wissen, worum es geht‘, den eingangs erwähnten Marion Dönhoff Preis bekam die Kreisau Initiative Berlin e.V. 2007, ein Jahr später als der erste deutsch-deutsche Verein - den Einheitspreis. Die vielen Aus¬zeichnungen und Preise, die das Verbindungsbüro für seine Projekte erhielt, will ich diesmal beiseite lassen.
Wenn ich einen Preis an die Kreisau-Initiative zu vergeben hätte, wäre es einer für Bestän¬digkeit, ja, für Hartnäckigkeit, für die Treue, die sie Kreisau hält – allen Rückschlägen und Ver¬letzungen zum Trotz, die es zuweilen gibt, trotz der gelegentlichen Geringschätzung und trotz des gelegentlichen unbegründeten Misstrauens. Menschen machen Fehler – dies- und jenseits der Oder. Kreisau/Krzyżowa verdient aber die Treue. Und die KI noch viele Preise, Auszeich¬nungen und Laudationes.“

