Kreisauer Veranstaltungen 2008
"Als das Jahr begann, war ich noch neu in Kreisau und erst gut einen Monat als Bildungsreferent in der Gedenkstätte tätig. Jetzt, knapp zwölf Monate später, bin ich sicher immer noch neu (im Dorf erst recht, den Hunden dort bin ich noch ein Fremder), doch fühle ich mich nicht mehr wie ‘der Neue’ ... " Dominik Kretschmann ist seit Januar 2007 als Bildungsreferent in der Gedenkstätte der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung tätig.
Die diesjährige Konferenz zu neuen Formen der Arbeitsmigration in Mittel- und Osteuropa verdankte sich der Zusammenarbeit mit dem Centrum für angewandte Politikforschung (CAP, München) und der Stadt Breslau. Rund 50 Teilnehmerinnen aus Polen, Deutschland und der Ukraine tagten im "Mai-Saal" des Schlosses. Bei der Fülle der Vorträge hatten die Dolmetscher schwer zu tun, auch wenn auffallend viele Teilnehmer, auch aus Deutschland, beides, Polnisch und Deutsch, beherrschten.
Es war das zweite Kammermusik-Projekt dieser Art, ein armenisch-polnisch-deutscher Workshop für Musikstudentinnen und Musikstudenten, der sich mit Werken NS-verfolgter Komponisten und Komponistinnen beschäftigte. In Kreisau, dem einstigen Tagungsort des Kreisauer Kreises, trafen sich in der Zeit vom 24. bis 30. August 2008 junge Musikerinnen und Musiker aus verschiedenen Ländern mit den künstlerischen Leitern Elżbieta Sternlicht (Universität der Künste Berlin), Klavier, und Piotr Prysiaznik (Deutsche Oper Berlin), Violine, um ein Konzertprogramm vorzubereiten.
Bei der Tagung Geteilte Geschichte kamen Pädagoginnen und Pädagogen aus der Ukraine, Polen und Deutschland zusammen, um über die Multiperspektivität verschiedener Regionalgeschichten zu sprechen. Die Geschichte eines Ortes nicht nur aus der nationalen Perspektive zu betrachten, sie daher um die Perspektive des Nachbarn zu erweitern, war allen Beteiligten ein großes Anliegen.
Die Entwicklung der Stiftung Kreisau
"Wir sinken mit unserem Schiff doch eigentlich schon seit 20 Jahren": dieser fröhlich dahingesprochene Satz angesichts der wieder einmal und noch immer düsteren Zahlen in der Haushaltsübersicht 2008 und -planung 2009 der Stiftung Kreisau löste schallendes Gelächter im neu konstituierten Stiftungsrat aus. Es war kein zynisches Lachen im Angesicht immer neuer Katastrophen, es war eher die Fröhlichkeit derer, die es immer wieder geschafft haben, die nächste Hürde oder den nächsten tiefen Graben zu nehmen und die immer wieder ein "Apfelbäumchen pflanzen würden, auch wenn morgen die Welt untergeht". Und sicher war dieses Lachen auch Ausdruck des Vertrauens darauf, dass Gesellschaft und Politik das kostbare "Gut" Kreisau nicht im Stich lassen werden.

