Schlesisches Museum: Verbotene Kunst
aus dem Vorwort von Markus Bauer und Annemarie Franke
"Ein Maler wird auf ein Landgut eingeladen, verbringt dort einige Tage und malt Erinnerungsbilder – das klingt wie der Ausgangspunkt für eine ländliche Idylle. … Aber in diesem Fall ist alles anders: es ist das Jahr 1942, es herrscht Krieg, der Maler ist ein verfemter Expressionist, und das Landgut heißt Kreisau, das geheime Zentrum einer der wichtigsten Widerstandsgruppen gegen die NS-Diktatur.
Vermutlich war zumindest einem der Protagonisten, dem Maler Karl Schmidt-Rottluff, die Brisanz des Vorgangs nicht wirklich bewusst. Er hätte von Rechts wegen die Einladung nicht annehmen dürfen, denn jegliche künstlerische Tätigkeit war ihm ausdrücklich verboten. Selbstbewusst setzte er sich darüber hinweg. Aber er ahnte wohl kaum, wohin er geraten war. Von den Treffen des Kreisauer Kreises wusste er sicher nichts. Helmuth James von Moltke hingegen hatte ein untrügliches Gespür für die historische Bedeutung des Augenblicks. Er war sich sicher, dass Deutschland den Krieg und in der Folge seine östlichen Provinzen, darunter Schlesien, verlieren würde. Die Bilder, die Schmidt-Rottluff malte, sollten der Erinnerung an ein verlorenes, vielleicht zerstörtes Kreisau dienen. …
In Schmidt-Rottluffs Arbeit in Kreisau berühren sich für einen historischen Moment zwei Sphären, die sonst wenig miteinander zu tun hatten: Der politische Widerstand gegen die Nationalsozialisten und die geschmähte, in den Untergrund abgedrängte Kunstmoderne. … Dank der Leihgaben aus der Familie von Moltke eröffnet sich nun erstmals die die Gelegenheit, diesen interessanten Aspekt im Œuvre Schmidt-Rottluffs zu studieren."
Die Ausstellung des Schlesischen Museums zu Görlitz – entstanden in Zusammenarbeit mit der Stiftung Kreisau und gefördert von der Freya von Moltke Stiftung, dem Freistaat Sachsen und der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit – wurde am 4. Juli in Görlitz eröffnet. Anschließend war sie bis 21. September in Görlitz und vom 3. Oktober bis 11. November 2008 in Kreisau zu sehen. Der Ausstellungskatalog kann auch in der Kreisauer Buchhandlung erworben werden.
Schlesisches Museum zu Görlitz und Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung (Hg.):
Verbotene Kunst. Bilder von Karl Schmidt-Rottluff für Helmuth James von Moltke. Katalog zur Ausstellung.
Görlitz–Zittau (Verlag Gunter Oettel) 2008, 84 S. broschiert, zahlr. Abb., 7,90 Euro,
zu beziehen u.a. über das Schlesische Museum zu Görlitz


