Klaus Harpprecht: Die Gräfin
von Bernd Böttcher
Sie war eine ungewöhnliche Frau, und sie wurde zur bedeutendsten Publizistin der Bundesrepublik Deutschland: Marion Gräfin Dönhoff (1909-2002), Aristokratin und Bürgerin zugleich. Als langjährige Herausgeberin des Wochenblatts "Die Zeit" hat sie Geschichte geschrieben; als Chronistin der Vertreibung aus ihrer ostpreußischen Heimat wurde sie zur Bestsellerautorin; als Zeugin des Widerstandes gegen Hitler und als Anwältin der Versöhnung von Ost und West setzte sie moralische Maßstäbe: für die Politik, für die Gesellschaft und für das Zusammenleben der Völker im vereinten Europa. Als sie im März 2002 starb, nannte Helmut Schmidt sie eine "wegweisende Mitbürgerin".
Klaus Harpprecht widmet sich mit Vorliebe Menschen, die er tief bewundert – zuletzt dem Gefängnispfarrer Harald Poelchau, der im Zweiten Weltkrieg nicht nur inhaftierten Widerständlern Beistand leistete, sondern auch in selbstloser Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Risiko vielen Juden, die in Berlin untergetaucht waren, beim Überleben geholfen hat. In diesem Buch nun möchte Harpprecht zeigen, was Dönhoff zu ihren Leistungen befähigte, worin sie ihren Antrieb fand und was für ein Mensch die ruhig-energische und doch so bescheiden wirkende Preußin war. Als erster Biograf konnte er alle privaten und offiziellen Briefwechsel und Aufzeichnungen Marion Dönhoffs einsehen, er wertete vor allem auch das "Zeit"-Archiv und das Familienarchiv der Dönhoffs aus.
Klaus Harpprecht:
Die Gräfin. Marion Dönhoff. Eine Biografie.
Reinbek bei Hamburg (Rowohlt Verlag) 2008, 592 S., gebunden, 24,90 EUR


