Die Freya von Moltke-Stiftung – Ein Rückblick

von Dr. Matthias von Hülsen und Dr. Agnieszka von Zanthier

Auf das ereignisreiche Jubiläumsjahr 2007 folgte ein ruhigeres 2008, in dem viel in den Monaten zuvor liegen Gebliebenes aufgearbeitet und Weichen für die weitere Entwicklung der Stiftung gestellt werden konnten. Unsere Stiftergemeinschaft ist ein wenig größer geworden: Rund 262 Stifterinnen und Stifter haben nun seit der Gründung der Stiftung ein Kapital von rund 610.000 Euro zusammengetragen, etwa 53.000 Euro davon sind im zu Ende gehenden Jahr zusammengekommen.

Aktivitäten

Die Verbesserung des öffentlichen Auftritts der Stiftung war eines der längst anstehenden Projekte, die wir in diesem Jahr angepackt haben. Zum Einen wurde die Neuauflage der Stiftungsbroschüre in Angriff genommen: Die Texte und die Stifterliste wurden aktualisiert und ein neues Informationsblatt zu Formen der Unterstützung konzipiert. Die lang geplante Erstellung einer englischsprachigen Broschüre erwies sich als recht komplex, da die deutschen Texte stark überarbeitet bzw. neugeschrieben werden mussten. In die Arbeit waren Freya und Helmuth Caspar von Moltke stark involviert, unsere Stifter Dorothy von Hülsen und Prof. Charles Meier (Harvard Univ., USA) übernahmen die Korrekturen. Franziska Mandel sorgte für die technische Koordination und unser Hamburger Stifter plan p stellte einen Mitarbeiter, der zusammen mit ihr die Broschüre nach dem deutschsprachigen Vorbild neu gesetzt und den Druck beaufsichtigt hat. Diese Broschüre ermöglicht uns nun, auch außerhalb Deutschlands, vor allem in den USA, für unser Anlie-gen zu werben. Seit dem Sommer wird an der Umgestaltung und Aktualisierung der Website gearbeitet. Die bisher recht bescheidene englischsprachige Version wurde umgeschrieben und erweitert. Ebenso wird die deutschsprachige Website umgestaltet und aktualisiert. Beide können voraussichtlich noch in diesem Jahr online gehen und zukünftig unabhängig und einfacher verwaltet werden.

Gleichzeitig haben wir die Werbung um neue Großstifter nicht aus den Augen gelassen, allerdings sind sichtbare Ergebnisse bisher noch ausgeblieben. Im Frühjahr haben wir die Stiftung bei rund 40 Gerichten deutschlandweit als Bußgeldempfänger angemeldet. Die Auswahl der Städte und Regionen richtete sich gezielt nach dem Bekanntheitsgrad, die die Stiftung dort haben dürfte. Gegenwärtig verschicken wir Informationsmaterial an die Staatsanwaltschaften und Gerichte: Auch dies eine Investition in die Zukunft.

An der Stifterreise, die vom 2. bis zum 5. Oktober stattfand, nahmen in diesem Jahr etwa 55 Stifter, Gremienmitglieder und Interessenten teil. Ausgewählte Aspekte deutscher und polnischer Beziehungen zu Russland, ihre historischen Voraussetzungen und aktuelle Fragestellungen sowie die Chancen einer gemeinsamen EU-Politik gegenüber dem großen Nachbarn im Osten waren das Leitthema dieser Reise. Er wurde kontrovers und sehr spannend diskutiert und die hohe Beteiligung der Teilnehmer an der Podiumsdiskussion mit Experten macht deutlich, wie wichtig es war, gerade dieses Thema zu wählen. Einen ganzen Tag verbrachten wir in Wrocław: Sowohl die Führungen als auch der Besuch im "Ossoline-um" erfreuten sich hoher Zustimmung. Kreisau wartete mit sonnigem Herbstwetter auf und wir hatten, neben Besichtigungen und Gesprächen mit den Mitarbeitern der Begegnungsstätte, reichlich Gelegenheit zu Spaziergängen und zum Eintauchen in die wunderbare Kreisauer Landschaft. Die nächste Reise planen wir Mitte Oktober 2009 (voraussichtlich vom 15. bis zum 18. 10.), die ersten Anmeldungen liegen bereits vor.

Andere für uns

Ende des Sommers kam der Stargeiger Daniel Hope auf uns zu und bot uns an, unsere Stiftung zur Benefizientin des von ihm initiierten Gedenkkonzertes anlässlich des 70. Jahrestages der "Reichs-kristallnacht" vom 9. November 1938 zu machen. Mit dem Konzert unter dem Motto "Tu Was!" wollte der Künstler an den Auftakt zur systematischen Verfolgung der Juden in Deutschland erinnern, an ein Fanal des Versagens der Zivilcourage der Deutschen. Zugleich wollte er auch ins Bewusstsein bringen, wie wichtig es ist, Menschenrechtsverletzungen rechtzeitig entgegen zu treten und wachsam zu bleiben, auch heute. Wir nahmen sein Angebot dankbar an. Das Konzert mit grandiosen Musikern wie Menachem Pressler, Till Brönner, Hélène Grimaud, Thomas Quasthoff, Sol Gabetta und anderen – ergänzt durch eine Lesung mit Klaus Maria Brandauer – fand in der Abflughalle des inzwischen geschlossenen Flughafens Tempelhof vor rund 1.100 Gästen statt. Unsere Stiftung wird die Erträge des Konzerts erhalten: Wir rech-nen mit einem Betrag von über 20.000 Euro.

Unsere Stifter haben auch in diesem Jahr private Anlässe genutzt, um Spenden für die Freya von Moltke-Stiftung zu erbitten. Gebhard von Moltke wünschte sich zum Geburtstag Zuwendungen für das Neue Kreisau und die Familie des im Sommer verstorbenen Neffen Helmuth James von Moltkes, Clemens Wendland, wünschte anlässlich der Trauerfeier Zuwendungen anstelle von Blumen. Zum ersten Mal fragte auch eine uns bis dato nicht verbundene Familie an, ob sie unsere Stiftung anlässlich der Trauerfeier von Mutter und Schwiegermutter, Stephanie Corsepius, bedenken dürfe. Aus Aktionen unserer Stifter kamen uns in diesem Jahr 7.250 Euro an Spenden und Zustiftungen zu.

Auch die Benefizveranstaltungen, die auf unsere Stifter zurückgehen, verdienen erwähnt und gewürdigt zu werden. Am 14. November veranstaltete Dr. Wilhelm Zörgiebel bereits zum zweiten Mal einen Benefizabend in Dresden-Hellerau zugunsten unserer Stiftung. Bundespräsident a.D. Dr. Richard von Weizsäcker sprach vor rund 260 Gästen zur Bedeutung der deutsch-polnischen Beziehungen für das Zusammenwachsen Europas, Prof. Veronica Jochum von Moltke spielte aus Werken von Schubert und Chopin. Prof. Jochum von Moltke spielte darüber hinaus bei Konzerten in Lübeck und im Collegium Augustinum in Dießen am Ammersee. Diese Abende brachten und bringen weitere etwa 8.500 Euro an Zuwendungen für die Stiftung ein.

Die Freya von Moltke-Stiftung für Kreisau

Die Erträge aus dem im Vorjahr stark gewachsenen Stiftungskapital und die Spenden erlaubten uns, die Förderung der Begegnungsstätte Kreisau zu intensivieren. Neben der 2007 begonnenen Förderung der Gedenkstätte (ein Stipendium für den Projektmanager Dominik Kretschmann und die Teilfinanzierung der Stelle von Monika Szurlej) konnten wir bei Projekten, bei denen eine kleinere Dotation bewirkt, dass sie stattfinden können oder kostendeckend sind, kurzfristig als "Feuerwehr" einspringen. Insgesamt belief sich die Förderung auf 34.000 Euro, davon gingen 26.000 Euro direkt nach Kreisau, mit 7.000 Euro wurden in Kreisau realisierte Projekte des Verbindungsbüros gefördert.

Bevor wir den Lesern des Jahresrundbriefs ein gesegnetes, frohes Weihnachtsfest und ein trotz aller Krisen gutes Jahr 2009 wünschen, danken wir all denjenigen, die sich in diesem zu Ende gehenden Jahr für die Belange unserer Stiftung engagiert haben: den Gremienmitgliedern, unseren Stiftern und Freunden, dem Freundeskreis und allen, die uns ihre Unterstützung spüren ließen. Ein besonderer Dank gilt wie immer den Mitarbeitern der Stiftung Kreisau, die uns im Oktober gastfreundlich und kompetent aufgenommen haben, Franziska Mandel, die auch in diesem Jahr einen Teil der Aufgaben in der Berliner Geschäftsstelle eigenverantwortlich übernahm, sowie Yanti Großmann und Patrick Lynn, die unsere Arbeit als Praktikanten unterstützt haben.