Sonderweisung an die Landesverweser

Entwurf vom 9. 8. 43 (Notiz Moltkes)

Die Reichsregierung wird mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln das Eindringen feindlicher Streitkräfte in das Reichsgebiet verhindern. Für den Fall, daß eine feindliche Besetzung in Ihrem Lande nicht aufgehalten werden kann, bleibt es weiterhin Ihre vornehmste Aufgabe, die Interessen Ihrer Landesbevölkerung zu wahren und die eigenständige Entfaltung Ihrer wirtschaftlichen und politischen Ordnungen vor willkürlichen Übergriffen, vor landesverräterischer Zersetzung und vor nationalistischen Ausschreitungen zu schützen.

Zu diesem Zweck ergeht folgende besondere Anordnung:

1. Die erste Weisung an die Landesverweser vom … nebst Anlage bleibt in vollem Umfange bestehen.

2. Zwischen den Erfordernissen der Besatzung und den Bedürfnissen der Bevölkerung haben Sie auf dem Wege streng sachlicher Zusammenarbeit mit den feindlichen Militärbehörden den erforderlichen Ausgleich herbeizuführen. Eine Zusammenarbeit durch andere als von Ihnen zu diesem Zweck eingesetzte oder bestätigte Mittelspersonen oder Dienststellen hat zu unterbleiben.

3. Der Besatzungsbehörde gegenüber ist klarzustellen, daß Sie für alle Aufgaben der Landesverwaltung, insbesondere zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung zu korrekter Mitarbeit bereit sind, daß Sie jedoch keinerlei außenpolitische Vollmachten haben, insbesondere weder eine Einschränkung Ihrer Zuständigkeit noch eine Änderung der Grenzen Ihres Landes erörtern oder anerkennen können. Die sich aus dieser Erklärung ergebenden Konsequenzen haben Sie folgerichtig durchzustehen. Sie dürfen vor der tatsächlichen Gewalt, nicht aber vor ihrer Androhung weichen.

4. In allen durch die fremde Besatzung entstehenden Fragen ist engste Fühlungnahme mit der Reichsregierung zu halten und nach ihren jeweils ergehenden Weisungen zu verfahren.

Quelle:
Ger van Roon: Neuordnung im Widerstand (München 1967), S. 570-571

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